Maturaarbeit: Forellen im Bielersee
«Projet de protection et renforcement de la population de truite dans le lac de Bienne»: DNA-Analyse mit der Eawag, eine Feldstudie zum Überleben von Forelleneiern und ein Zehnjahresplan für die Rückkehr der Seeforelle.
- weniger gefangene Forellen in der Schweiz
- 42%
- Flüsse in meiner Feldstudie zum Laich
- 3
- Wiederansiedlungsprojekte verglichen
- 5
- Jungfische pro Jahr während zehn Jahren: mein Vorschlag
- 10 × 10’000
Die Frage
«In den Siebzigern haben wir viel mehr Forellen gefangen.» Wer am Bielersee fischt, hört diesen Satz früher oder später. Eine Seeforelle zu fangen ist dort selten geworden, aber es kommt noch vor. Die Population ist also nicht verschwunden. Meine Arbeit fragt, warum die Forellen zurückgegangen sind und mit welchen konkreten Massnahmen sich die Seeforelle im Bielersee erholen könnte.
Was ich gemacht habe
- Recherche: Schweizer Fangstatistiken, die Biologie von Bach- und Seeforelle, ihre Fortpflanzung und was sie zum Überleben brauchen: kaltes, sauerstoffreiches Wasser, lockeren Kies und die richtige Strömung.
- DNA-Analyse an der Eawag: Ich habe DNA aus Bachforellen der Zuflüsse des Bielersees extrahiert und genetische Marker (Mikrosatelliten) verglichen. So sieht man, welche Bäche eigene Populationen haben und woher die Seeforellen am ehesten stammen.
- Feldstudie zum Überleben der Eier mit der Maison de la Rivière in drei Walliser Flüssen: Im Flussbett waren Röhren mit je 100 Forelleneiern vergraben. Wir haben sie ausgegraben, die überlebenden Eier gezählt und Sauerstoff und Feinsediment gemessen.
- Vergleich von fünf Projekten aus der Schweiz, Deutschland, Schottland, Australien und Nordamerika, um zu sehen, was wirklich funktioniert hat.
Ergebnisse
Die DNA-Analyse zeigte eine klar eigenständige Population im Chürzigraben. Die anderen Bäche überlappen stark. Das kann auf mehrere kleine Populationen hinweisen, oder auf jahrzehntelangen Besatz mit Fischen, die nicht in «ihren» Bach zurückkehren.
Die Feldstudie zeigte, wie wichtig das Flussbett ist:
| Fluss | Sterblichkeit der Eier | Sauerstoff | Feinsediment |
|---|---|---|---|
| Raspille | 1% | gut | wenig |
| Morge | 50% | sehr gut | mittel |
| Vispa | 100% | schlecht | viel |
Feinsediment verstopft den Kies und erstickt die Eier. Studien berichten allein dadurch von Verlusten bis zu 86%.
Mein Vorschlag für den Bielersee
- Die tiefen Teile des Sees belüften, wenn der Sauerstoff im Spätsommer unter 60 m auf gefährliche Werte fällt.
- Die Seeforelle eine Zeit lang vom Fang ausnehmen, wie es die Schweiz beim Aal bereits tut, damit sich die natürliche Fortpflanzung erholen kann.
- Jungfische nur aus lokalen Laichfischen züchten, um die lokale Genetik zu erhalten.
- Mehr DNA-Proben mit Hilfe der Fischer sammeln (ein winziges Flossenstück), belohnt mit Rabatt auf das nächste Fischerpatent.
- Zehn Jahre lang jährlich 10’000 Jungfische aussetzen, in den Bächen, auf welche die Genetik hinweist, mit Brutröhren direkt im Fluss, damit sich die Fische auf ihren Heimatbach prägen.
- Den Weg zu den Laichplätzen öffnen: Unterstände in der kanalisierten Schüss in Biel schaffen und die alte Fischtreppe in Port nach dem Vorbild von Hagneck erneuern.
Was ich gelernt habe
Mein Plan hat sich zweimal geändert. Zuerst wollte ich Mikroplastik untersuchen, doch niemand konnte die Daten liefern. Danach erhielt ich keinen Zugang zu den genauen Laichdaten. Die Fragestellung anzupassen, ohne das Ziel zu verlieren, war wohl die wichtigste Lektion. Nächstes Mal würde ich zusätzlich die Wasserqualität aller Zuflüsse analysieren und DNA-Proben von Seeforellen aus dem Bielersee selbst nehmen.
Die vollständige Arbeit ist auf Französisch. Bei Interesse schreib mir.